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Frau Ziehe, Sie arbeiten als Seelsorgerin in der Geburtshilfe einer großen Klinik. Was können Sie konkret für Eltern und Zugehörige tun?
Petra Ziehe: Zunächst einmal ist Seelsorge hier nicht ausschließlich fokussiert auf Krisen und Verluste. Die Allermeisten erleben ja das freudige, prägende Erlebnis der Geburt ihres Kindes. Wir möchten sehr gern präsent sein und diese Freude teilen. In unserer Geburtsklinik HENRIKE haben wir eingeführt, Neugeborene zu segnen, wenn Eltern das wünschen. Da haben wir schon sehr berührende Situationen erlebt. Eltern zu werden, ist mit neuer Verantwortung und manchmal Sorgen und Fragen verbunden. Wir Seelsorgenden hören zu und können helfen, zu strukturieren, zu klären oder zu entlasten.
Krisen und dramatische Situationen sind in der Geburtshilfe letztlich nie auszuschließen. Wie gehen Sie damit um, was können Sie dann machen?
Ziehe: Da gibt es ein großes Spektrum. Not-Kaiserschnitte etwa können von Frauen als traumatisch erlebt werden, weil alles sehr schnell gehen muss. Dann fühlen sich die Frauen oft sehr passiv und haben unter Umständen nachgeburtlich viel zu verarbeiten. Im seelsorgerlichen Gespräch bieten wir Unterstützung bei der Bewältigung an.
Und dann gibt es leider nicht nur freudige, sondern auch stille Geburten. Damit ist gemeint, dass ein Kind vor, unter oder nach der Geburt stirbt. Und da gilt es umso mehr, präsent zu sein, wenn die Eltern das möchten. Wenn etwa solche Diagnosen schon vor der Geburt feststehen, ist immer meine Hoffnung, gemeinsam auszuhalten, was kaum aushaltbar ist, und sprachfähig zu werden, wenn es für die Eltern eigentlich keine Worte gibt. Der Tod eines Kindes ist sicher eine der größten Krisen, die sie durchmachen. Und trotzdem geht es dann auch um praktische Fragen: Wie ist ein Abschied für die Familie möglich? Was kommt jetzt organisatorisch auf uns zu?
Welche Bedeutung haben Ihr Glaube und Ihre Rolle als christliche Seelsorgende in alledem?
Ziehe: Belastende Erfahrungen rund um die Geburt oder die Sorge um das zu früh oder krank geborene Kind können für den Moment das Vertrauen und die Zuversicht in das Leben infrage stellen. Der Tod eines Kindes gehört für die Eltern zu den schmerzvollsten Erfahrungen. Es braucht Zeit, zu begreifen und zu verstehen, was geschehen ist. Seelsorge ermöglicht auch die Suche nach Antworten sowie nach dem Sinn des Erlebten, die Suche nach Gott und der Kraft des eigenen Glaubens, die Suche nach Heilung, um das Schwere tragbar zu machen. Es kommen Fragen auf nach dem Sinn des Lebens, nach dem Warum.
Als Seelsorgerin biete ich allen Menschen Begleitung an, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit und ihren Glaubensüberzeugungen. Mein Glaube und meine Rolle eröffnen manchmal auf besondere Weise Gelegenheiten, sich mit den eigenen Werten und der eigenen Sinnhaftigkeit auseinanderzusetzen. Zum Angebot der Seelsorge gehören ebenfalls Rituale wie Gebet, Segnung der Sternenkinder oder die Nottaufe.
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