|
Die neue Spielzeit im Literaturhaus Hildesheim kreist um das Thema Träumen. Es ist der letzte Teil der Trilogie „Schlafen, Wachen, Träumen“. Wie kam es zu diesem thematischen Dreiklang?
Nora Göldner: Als der Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt sich entschied, in St. Jakobi nach der Zeit der Citykirche ein Literaturhaus einzurichten, wurde der Kulturwissenschaftler und erste Intendant Dirk Brall damit beauftragt, ein Konzept für dieses Haus auszuarbeiten. Von ihm stammt die Idee, angelehnt an die Praxis im Theater, das Programm in Spielzeiten zu strukturieren: Immer von September bis Heiligabend und März bis Mitte Juli widmen wir uns einem bestimmten Thema. Träumen ist die letzte im genannten Dreiklang und die erste, die ich als Intendantin gestalten durfte.
Was erwartet die Besucherinnen und Besucher in der neuen Spielzeit? Können Sie Höhepunkte nennen?
Göldner: St. Jakobi versteht sich als Ort der Begegnung und des Austauschs, es freut uns, dass sich hier Menschen aus Kirche, Stadt und Universitätsleben wohlfühlen und unser Programm sie anspricht. Dazu trägt sicher einerseits die Verlässlichkeit unseres Angebots bei: Auch in dieser Spielzeit findet unser Rastplatz statt, ein Heiligabend für alle, mit warmem Essen und Getränken, dank vieler Spenden und Helfenden gibt es auch Geschenke und handgemachte Musik. In Zusammenarbeit mit der Universität laden wir diesmal in die beliebte Reihe „Gespräche über Männlichkeit“ die Bestsellerautorin Sophia Fritz ein. Bei der „Landpartie“ sind wir direkt dran an der Literarischen Avantgarde, hören Texte von Studierenden des Literaturinstituts. Viele bekannte und beliebte Formate werde ich also fortführen, setze gleichzeitig aber einen neuen Akzent auf ein Programm für Kinder und Jugendliche. So freue ich mich ganz besonders auf Lesen und Zeichnen für Kinder der dritten und vierten Klasse in den Herbstferien. Das grande Finale unseres literarischen Winter-Programms feiern wir gewissermaßen ökumenisch und ich bin jetzt schon aufgeregt. Dann kommt Nora Gomringer, Lyrikerin, Essayistin, bekennende Katholikin, Tausendsasserin! Am 7. und 8. Dezember gibt sie im Michaeliskloster einen Workshop über das Gebet, am Abend liest sie bei uns aus ihrem Prosawerk „Am Meerschwein übt das Kind den Tod“, in dem sie sich ehrlich, hadernd, liebevoll, lustig und unterhaltsam sowie stellenweise große Verletzlichkeit zeigend von ihrer kürzlich verstorbenen Mutter verabschiedet.
Podium, Werkstatt, Kirche: Was ist das Literaturhaus für ein Ort? Und für wen?
Göldner: Das Literaturhaus St. Jakobi möchte Ort sein für alle, die neugierig sind. Die Inspiration suchen, Austausch, zuweilen auch Trost. Gerade jetzt, in unseren rasanten, hochkomplexen Zeiten multipler Krisen und wachsender Unsicherheit tut ein Ort gut, an dem wir zur Ruhe kommen können, neue Perspektiven ausprobieren und uns von der kreativen schöpferischen Energie, so erlebe ich es, trösten lassen.
|