|
Nach dem Besucherrekord bei den 10. Orgelentdeckertagen im vergangenen Jahr haben Sie dieses Jahr sogar noch mehr Anmeldungen. Wie erklären Sie sich das?
Josephine Werth: Das Interesse und die Begeisterung wachsen Jahr für Jahr, das freut uns sehr! Seit dem Start der Orgelentdeckertage 2016 ist ein landeskirchenweites Netzwerk von über 200 teilnehmenden Bildungseinrichtungen entstanden. Viele Schulen und Kitas, die einmal dabei waren, melden ihre Gruppen im nächsten Jahr erneut an und laden auch Kolleginnen und Kollegen ein. Die Orgelentdeckertage bieten den Schulklassen und Kita-Gruppen gleich zwei besondere Gelegenheiten: Zum einen können die jungen Gäste ein Instrument erleben, das sie oft, wenn überhaupt, nur aus der Entfernung kennen und das mit seiner außergewöhnlichen Klangvielfalt Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen fasziniert. Zum anderen lernen sie die Menschen persönlich kennen, die das Instrument erklingen lassen und sich viel Zeit für ihre Fragen nehmen. Auch bei den Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern etablieren sich die Orgelentdeckertage weiter und stehen bei den meisten mittlerweile fest im Kalender. Natürlich findet auch außerhalb dieses Zeitraums vielerorts Orgelvermittlung statt, aber die konzertierte Gemeinschaftsaktion bündelt die einzelnen Angebote in den Gemeinden zu einem großen Ganzen, macht die musikalische Vielfalt nochmal auf besondere Weise überregional sichtbar und erzeugt durch das umfassende Gesamtprogramm eine Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, die nur durch das gemeinsame Engagement der vielen Mitwirkenden möglich wird.
Welche Formate werden den jungen Besucherinnen und Besuchern geboten?
Werth: Die Formatvielfalt ist groß und reicht von Orgelführungen für Kitagruppen und Schulklassen, bei denen die Kinder die Orgel aus der Nähe erleben und den Organistinnen und Organisten über die Schulter gucken können, bis hin zu Pfeifenbauworkshops an Berufsbildenden Schulen, bei denen sich die Jugendlichen selbst im Handwerk des Orgelbaus ausprobieren dürfen. Viele Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker laden ihre jungen Gäste zu moderierten Orgelkonzerten ein, bei denen sie die ganze Klangvielfalt des Instruments erleben. Andernorts wird in Klassenräumen und Gemeindehäusern mit der sogenannten „Doe-Orgel“ aus 127 Einzelteilen eine kleine funktionstüchtige Orgel gebaut. Neben den Veranstaltungen für Schulen und Kitas gibt es zahlreiche öffentliche Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien: Offene Orgelbänke zum Selberspielen, besondere Konzerte und Mitsingveranstaltungen oder Orgelführungen, die einen Blick ins Innere des Instruments gewähren. Das ganze Programm finden Interessierte auf www.orgelentdecker.de/orgelentdeckertage.
Wie nachhaltig sind die Orgelentdeckertage? Steigt dadurch beispielsweise die Zahl der Orgelschülerinnen und -schüler?
Werth: Es gibt wirklich Orgelschüler, die durch die Orgelentdeckertage auf die Idee gekommen sind, Unterricht zu nehmen. Aber das ist landeskirchenweit schwer messbar und auch nicht das vorrangige Ziel. Die jährliche Musikvermittlungsaktion ist vielmehr ein Türöffner, um das faszinierende Instrument Orgel und die vielfältige Orgelmusik kennenzulernen. Bei den Orgelentdeckertagen kommen viele Kinder und Jugendliche zum ersten Mal in ihrem Leben in Kontakt mit dem Instrument – einige betreten dabei überhaupt zum ersten Mal eine Kirche. Diese positiven Erstbegegnungen sind der Schlüssel, um die Begeisterung für das kulturelle Erbe auch in der nächsten Generation lebendig zu halten und den Grundstein für eine lebenslange Faszination für dieses besondere Instrument zu legen. Und wer weiß – vielleicht nimmt dann der eine oder die andere später beim Orgelkonzert nicht im Publikum Platz, sondern auf der Orgelbank.
|