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Warum braucht es gerade jetzt einen Fachtag zu Rechtsextremismus und politischer Polarisierung?
Marianne Gorka: Weil wir merken, dass gesellschaftliche Spannungen und Polarisierungen auch vor unseren Kirchentüren nicht haltmachen. Gemeinden, Kirchenkreise und kirchliche Einrichtungen stehen vor ganz konkreten Fragen: Wie gehen wir mit menschenfeindlichen Positionen um? Wo ziehen wir Grenzen? Und wie bleiben wir zugleich ansprechbar und dialogfähig? Wir wollen diese Fragen nicht abstrakt diskutieren, sondern Erfahrungen teilen, Dilemmata sichtbar machen und ganz praktisch schauen: Was hilft uns im Alltag? Der Fachtag soll Mut machen, Orientierung geben und Menschen miteinander ins Gespräch bringen über ihre Fragen, aber auch über Unterstützungsangebote und gute Erfahrungen, die es ja auch gibt.
Sie haben den Fachtag mit „Haltung zeigen. Bündnisse stärken.“ überschrieben. Was bedeutet Haltung zeigen für Sie?
Gorka: Haltung zu zeigen heißt für mich zunächst, klar für die Würde jedes Menschen und für unsere Demokratie einzustehen. Sie basiert auf einer vor allem freiheitlich-demokratischen Grundordung, die uns nicht verloren gehen darf. Wenn dagegen aber menschenfeindliche oder rechtsextreme Positionen lauter werden, dürfen wir nicht schweigen. Gleichzeitig bedeutet Haltung nicht, dass wir jede Auseinandersetzung abbrechen. Im Gegenteil: Wir müssen genau hinsehen, widersprechen, wo Grenzen überschritten werden, und trotzdem im Gespräch bleiben, wo das möglich ist. Und manchmal bedeutet Haltung auch, sich aus der schweigenden Masse herauszuwagen und deutlich zu sagen: Hier machen wir nicht mit.
Warum ist es Ihnen wichtig, dabei so stark auf Bündnisse und Vernetzung zu setzen?
Gorka: Wir können diese Herausforderungen nicht allein bewältigen und müssen es auch nicht. Es gibt überall Menschen und Initiativen, die sich für Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren. Der Fachtag bringt ganz unterschiedliche Perspektiven zusammen – aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft. Ich wünsche mir, dass daraus konkrete Verbindungen entstehen, dass wir voneinander lernen, uns gegenseitig stärken und auch nach dem Fachtag wissen, wen wir ansprechen können, wenn es schwierig wird. Gerade mit Blick auf die kommenden Kommunal- und Landtagswahlen möchten wir zeigen: der Schutz unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist eine gemeinschaftliche Aufgabe. Die bewältigen wir am besten gemeinsam. Dafür ist es wichtig, dass wir uns jetzt zusammen gut aufstellen.
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