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Frau Gäfgen-Track, die Lehrpläne sind fertig, der Christliche Religionsunterricht (CRU) kann kommen. Wie erleichtert sind Sie?
Kerstin Gäfgen-Track: Als wir 2020 angefangen haben, über einen Religionsunterricht in gemeinsamer Verantwortung von evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümern nachzudenken, hätte ich mir nicht träumen lassen, was auf dem Weg bis zu diesem Ziel alles passieren würde. Wir haben unzählige Gespräche geführt, Veranstaltungen angeboten und theologische und juristische Fragen intensiv bearbeitet. Abstimmungsprozesse waren Alltag, Gremienzustimmungen mussten eingeholt und auch das eine oder andere Hindernis aus dem Weg geräumt werden. So können Innovationen kirchlich, sogar ökumenisch gelingen. Wir haben wichtige Meilensteine erreicht, zuletzt letzten Freitag mit der Veröffentlichung der neuen Kerncurricula, aber auch schon vorher, zum Beispiel mit der Unterzeichnung der Erklärung zwischen dem Land Niedersachsen und den beteiligten Kirchen. Insofern: Ja, ich bin erleichtert, dass wir nun da stehen, wo wir stehen. Und ich bin zutiefst dankbar, dass wir diesen Weg gemeinsam gegangen sind, mit Menschen aus den verschiedenen Landeskirchen, den Bistümern, dem Kultusministerium, den Regionalen Landesämtern für Schule und Bildung und vielen Beteiligten aus Aus-, Fort- und Weiterbildung.
Was ist auf den letzten Metern bis zur ersten Unterrichtsstunde noch zu tun?
Gäfgen-Track: Es ist super, dass die Kerncurricula für die Grundschule und die Sekundarstufe I der weiterführenden Schulen nun vorliegen und mithilfe dieser Kerncurricula tatsächlich Unterricht gestaltet werden kann. Dafür braucht es Materialien, Ideen für Unterrichtseinheiten oder Blaupausen für schulische Lehrpläne. Die Fachberaterinnen und -berater des Landes arbeiten mit den Lehrkräften an der praktischen Umsetzung all dessen und der Verankerung im Schulalltag; der Fachbegriff lautet Implementierung. Als Kirchen unterstützen wir diese Arbeit gerne durch Materialsammlungen oder Fortbildungen in unseren Fortbildungseinrichtungen wie dem RPI. Wir wollen, dass die Religionslehrkräfte sich für die erste und alle weiteren Stunden CRU gut vorbereitet fühlen – und sagen: Ja, ich habe Lust auf dieses tolle neue Fach mit all seinen neuen Möglichkeiten und Ideen.
Sie haben auf der Pressekonferenz gesagt, der Weg zum CRU habe der Ökumene gutgetan. Woran machen Sie das konkret fest? Und kann das ein Vorbild auch für andere Arbeitsbereiche sein?
Gäfgen-Track: Die Einführung des gemeinsam verantworteten christlichen Religionsunterrichts war nur möglich, weil wir in Niedersachsen auch vorher im Bereich Religionsunterricht schon eng zusammengearbeitet haben. Nun sind wir aber nochmal enger zusammengewachsen. Wir haben erfahren, wo wir ganz unterschiedlich ticken – und haben verstanden, dass wir trotzdem an einem Strang ziehen können, wenn wir der religiösen Bildung im System Schule einen starken Stand verschaffen wollen. Genau das wollen wir – und zwar um der jungen Menschen willen, die dieses Fach brauchen, weil sie hier über die großen Themen des Lebens und des Glaubens ins Gespräch kommen, Kompetenzen für die Beantwortung erwerben und sich austauschen können über das, was sie bewegt und was diese Welt im Innersten zusammenhält. Ich bin überzeugt, dass dieser gemeinsame Weg auch ein Vorbild für andere kirchliche Arbeitsbereiche sein kann, nämlich überall da, wo wir nicht auf das schauen, was uns trennt, sondern auf das, was uns verbindet. Dazu bietet sich insbesondere der Bereich Bildung an – hier gibt es schon Ideen und erste Schritte. Es ist das gemeinsame Anliegen, für die Menschen dazusein und mit ihnen gemeinsam zu leben und zu arbeiten, egal an welcher Station ihres Lebens oder Glaubens.
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