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24. März 2026 | Newsletter der Landeskirche Hannovers

TOPTHEMA

Startklar für den Ganztag?

Nach den Sommerferien führt ein großer Teil der Grundschulen den schulischen Ganztag ein; ab Sommer 2026 haben aufsteigend ab Klasse 1 alle Grundschulkinder einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz im Ganztag. Für Kirchenkreise und KiTa-Verbände, die sich im Ganztag engagieren wollen, hat eine Gruppe von Fachleuten aus der Landeskirche FAQs zusammengestellt. Sie geben Antworten auf konzeptionelle, praktisch-konkrete wie auch juristische Fragen. In Videokonferenzen am 6. Mai und am 17. Juni beantworten Expertinnen und Experten Fragen. Zudem gibt es einen Info-Termin für Kirchenmusikerinnen und -musiker am 28. April.

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WOCHENSPRUCH

GEFRAGT

Drei Fragen zu betroffenensensiblen Gottesdiensten...

...an Annette Buschmann. Sie ist Supervisorin, Mitglied der ökumenischen Initiative GottesSuche, Autorin und seit Jahren engagiert in der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Kirchen. Das Interview erschien Anfang des Jahres im ForuM-Bulletin der EKD.

Zum EKD-ForuM-Bulletin

ForuM-Bulletin: Frau Buschmann, welche Elemente und Handlungen in Gottesdiensten sind für betroffene Menschen problematisch?

Buschmann:
Für Menschen, die sexuellen Missbrauch im kirchlichen Kontext oder in christlichen Familien erlebt haben, sind häufig schon kirchliche Räume belastet. Der typische Geruch des Gemeinderaums, seine Einrichtung, der Blick auf die Gesangbücher können bereits triggern. Umso mehr ist vorbelastet, was an Verkündigung in diesen Räumen geschieht. Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Ort kontaminiert wurde, der für Gemeinschaft, Sicherheit und Begegnung stehen sollte. Deshalb braucht es ja so dringend ehrliche Aufarbeitungsmöglichkeiten und Angebote zur Begleitung innerhalb der Gemeinden. Auch ein Wechsel der Konfession, wie ich ihn selbst vollzogen habe, löst das nur teilweise auf.

ForuM-Bulletin: Wie viel hat das mit der maskulin geprägten Sakralsprache zu tun, wie viel mit Triggerworten wie »Vater«, »Vergebung« oder »Liebe« und wie viel mit ganz anderen Faktoren?

Buschmann: 
Hier bin ich vorsichtig. Für die eine betroffene Person mag es unerträglich sein, Gott als Vater zu hören. Für eine andere Person ist gerade das Trost, dass wenigstens Gott Vater genannt werden darf, wenn der eigene Vater oder eine andere väterliche Person schon so entsetzlich an ihr schuldig geworden ist. Wenn ich tief in mich hinein spüre, habe ich beide Seiten in mir, so widersprüchlich das auch ist. Aber sicher ist es schwierig, wenn nur einzelne Bilder und Worte angeboten werden, wenn Gott nur Vater ist und nicht auch Mutter oder etwas ganz anderes, Heilsameres als Elternbilder. Elternbilder bleiben ja in der Tiefe unseres Empfindens immer auch ambivalent. Niemand hatte ausschließlich eine schöne Kindheit. Deshalb kann es hilfreich sein, die Einladung zu bekommen, Gott auch ganz anders zu nennen und mit diesen veränderten Bildern in Beziehung zu gehen. Gerade Vergebung wurde und wird oft missbraucht, um Aufdeckung und Aufarbeitung zu verhindern. Die Opfer mögen vergeben, damit endlich wieder Ruhe einkehrt. Das kann nicht gemeint sein. Ich bin immer wieder sprachlos, wie gerade mit Vergebung versucht wird, Opfer zum Schweigen zu bringen. Ein großes Thema sind Schuldbekenntnis und das Vaterunser. Vielleicht ist es ein Gedanke, dieses wesentliche Gebet der Christenheit einmal mit einer Triggerwarnung einzuleiten. Dann würde möglicherweise für alle Zuhörenden etwas deutlich vom Ausmaß der Zerstörung und Infragestellung der Gottesbeziehung, die sexueller und auch geistlicher Missbrauch anrichtet.

ForuM-Bulletin: Wie und nach welchen Kriterien können Gottesdienstgestaltende ihre Haltung überprüfen?

Buschmann: 
Am Anfang steht das Begreifen, was tatsächlich geschehen ist. Missbrauch im Kontext von Kirche ist ein massiver Angriff auf das Gottesbild, die Gottesbeziehung eines Menschen. Ich fürchte, das ist nach wie vor wenig im Bewusstsein. Eigentlich müssten wir alle zutiefst erschrecken über das, was da geschehen ist und geschieht. Und dieses Begreifen und Erschrecken über das Geschehene sollte den Umgang mit den Betroffenen bestimmen. Gottesdienstgestaltende müssen sich dessen bewusst sein, dass Menschen in der Verkündigung angesprochen werden, die hier existenziell verwundet wurden und trotzdem Halt im christlichen Glauben suchen. Sie brauchen den Mut, sich zu positionieren in ihrer Verkündigung. Es geht nicht um ein nettes religiöses Erlebnis, es geht um die Verkündigung des Jesus von Nazareth, der selbst ein Gewaltopfer war. Es geht auch um Heilwerden und Hoffnung, trotz allem. Wenn diejenigen, die den Gottesdienst gestalten, etwas frei werden von dem Druck, Antworten geben zu müssen, und stattdessen auch Fragen formulieren und offen lassen können, wenn sie deutlich machen, dass nicht sie die Antworten wissen, sondern der Weg dahin gemeinsam gegangen werden muss, dann ist eher Raum, sich mit unterschiedlichen und auch verstörenden Vorerfahrungen einzubringen und sich zugehörig zu fühlen. 

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