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Frau Paul, in mehr als 150 Ländern wird am 6. März der Weltgebetstag begangen. Was kann Beten bewirken?
Susanne Paul: Beten kann Menschen stärken. Wenn ein Kind vor dem Schlafengehen betet, dass es keine fünf in der Mathearbeit schreibt, erfüllt sich das natürlich nicht selbstverständlich. Beten ist kein Handel mit Gott und ersetzt nicht das Lernen. Aber etwas auszusprechen und daran zu glauben, dass es auch gehört wird, ist eine Form der Selbstreflexion. Es hilft dabei, zuversichtlicher an eine Aufgabe heranzugehen und mehr Mut zu haben.
Und wenn viele beten?
Paul: Ich vergleiche die Gottesdienste am Weltgebetstag mit einem Silvesterfeuerwerk. So wie dieses alljährlich um die Welt zieht, wenn es wieder in einem Land Mitternacht wird, so wandern auch die Gebete um die Welt. In diesem Jahr haben Frauen aus Nigeria die Gottesdienstordnung für den Weltgebetstag unter dem Motto „Komm! Bringt eure Last!“ entworfen. Nigeria ist ein Land zwischen Armut und Reichtum, zwischen Aufbruch und Tradition, zwischen Gewaltspirale und Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Frauen erzählen uns, wie sie diese Lasten tragen und was sie weiter hoffen lässt. Sie geben uns die Chance, in ihren Alltag einzutauchen und von ihnen und ihren Erfahrungen zu lernen. Ihre Geschichten und Artikel zeigen: Nigeria ist auch ein Land der starken Frauen, die Veränderungen anstoßen und mutig neue Wege gehen.
Ist der Weltgebetstag auch politisch?
Paul: Ja. Denn der Weltgebetstag beschäftigt sich oft mit Ländern, die wie Nigeria in der aktuellen Medienberichterstattung kaum vorkommen. Viele Konflikte in Nigeria haben noch immer mit den Grenzziehungen durch die Kolonialmächte zu tun. Oft werden diese aber als Auseinandersetzungen zwischen den Religionen abgetan. Angriffe der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram richten sich gezielt an Schulen, weil dort Bildung vermittelt wird. Davon sind nicht nur Christinnen betroffen, sondern ebenso die muslimische Bevölkerung. Über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg engagieren sich Frauen beim Weltgebetstag dafür, dass Mädchen und Frauen überall auf der Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können.
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