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Herr Kannengießer, was ist leichter zu leiten – eine Gerichtsverhandlung oder eine Sitzung der Landessynode?
Matthias Kannengießer: Ganz eindeutig die Landessynode. Der Unterschied ist, dass in der Landessynode alle darum bemüht sind, konstruktiv auf eine Lösung zuzuarbeiten und ja auch alle eine gleiche Grundüberzeugung teilen – unseren christlichen Glauben. Das trägt durch gewisse Meinungsunterschiede hindurch. Man geht sehr höflich miteinander um, und das gibt es außerhalb der Kirche eben nicht so und im Gerichtssaal auch nicht immer.
Mit welchen Zielen und welcher Motivation sind sie vor zwölf Jahren angetreten? Und wie bewerten Sie dies rückblickend?
Kannengießer: Meine Motivation war eine, die wohl für alle Ehrenamtlichen in der Kirche gilt. Ich wollte meine Arbeitskraft, mein Mitdenken, meine Erfahrungen einbringen und mithelfen, dass die Landeskirche die ihr gestellten Fragen gut beantworten kann. Dazu gehören Fragen wie: Wie ist die Kirche zu strukturieren? Wie können die Finanzmittel klug eingesetzt werden, um möglichst gute Ergebnisse zu erzielen? Oder Personalentscheidungen: Welche Personen können vielleicht in herausgehobenen Positionen das Gesicht der Kirche sein? Diese Hoffnung, dass ich an der einen oder anderen Stelle etwas hilfreich mit in die Wege leiten kann, hat sich manches Mal realisieren lassen.
Die Synode hat der Landeskirche gerade ein Schwerpunktthema vorgegeben und möchte „Anfänge im Glauben“ ermöglichen. Ist es schon so schlimm, dass Sie bei Null anfangen müssen?
Kannengießer: Der Begriff ist ja anders gemeint. Bei denen, die noch keinen Zugang zum Glauben haben, soll er tatsächlich bei Null anfangen. Wobei, wer fängt schon bei Null an? Dass ein zumindest etwas reflektierter Mensch sich noch nie über Grundfragen des Glaubens und den Sinn des Lebens Gedanken gemacht hat, ist unwahrscheinlich. Aber auch Menschen, die von sich selbst sagen, sie seien bereits im Glauben, haben es nötig, sich immer wieder neu auf diese Fragen einzulassen. Wir wollen auch Menschen ansprechen, die bisher noch nicht zur Kerngemeinde einer Kirche gehören. Ich finde, das bringt dieses Stichwort gut zum Ausdruck. Denn es muss natürlich zu unserer Überzeugung gehören, dass wir unseren Glauben auch nach außen tragen und nicht damit zufrieden sind, dass wir uns in unserem abgeschlossenen Zirkel nur gegenseitig bestärken. Das wäre zu wenig.
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